FAQs

 

 

Auf welche Daten greifen sie beim Radentwurf zurück?

 

Neben den einfach festzustellenden Körpermaßen wie Innenbeinlänge, Oberkörperlänge und Armlänge spielen persönliche Vorlieben und individueller Trainingszustand, der vorgesehene Einsatzzweck und die geplanten Anbauteile wichtige Rollen.

Darüber hinaus ist es ratsam die Daten bestehender Räder und die damit verbundenen Erfahrungen in die Konstruktion mit einfließen zu lassen.

So entsteht in enger Absprache mit dem Kunden ein individuelles Konzept.

 

 

Bauen sie auch Kompletträder auf?

 

Selbstverständlich!

 

 

Welches Rohrmaterial verwenden sie?

 

Ich verwende Stahlrohre der Hersteller Columbus, Dedacciai, Reynolds und True Temper. Nicht weil ich mich nicht entscheiden könnte, sondern, um aus einem großen Angebot verfügbarer Rohrspezifikationen den möglichst geeignetsten Rohrsatz für eine bestimmtes Rahmenkonzept zusammenstellen zu können. So kann es durchaus sein, dass bei einem Rahmen die Rohre dreier verschiedener Hersteller zum Einsatz kommen.

Viel entscheidender jedoch als der Hersteller des verwendeten Rohres für die Qualität des Rahmens, ist die Ausgewogenheit der Konstruktion und die Güte der Verarbeitung.

So lassen sich bereits aus dem verhältnismäßig günstigen Columbus Zona hervorragende Rahmen bauen, während es ebenso möglich ist einen teuren Rohrsatz wie Columbus Spirit durch eine verkorkste Geometrie oder Verarbeitungsmängel zu entwerten.

 

 

Wieviel Aufpreis kostet mich die Verwendung eines höherwertigen Rohrsatzes?

 

Grundsätzlich trägt der Rohrsatz nur einen relativ geringen Anteil zum Gesamtrahmenpreis bei (10-20%). Eine hochwertige Pulverbeschichtung kostet in Deutschland fast das Gleiche.

So müssen Sie bei Verwendung von Deda Sat 14.5 oder EOM, Columbus Life oder Spirit von rund 150-300€ Aufpreis ausgehen. Meist geht dabei die Verwendung eines leichteren Rohrsatzes mit weiteren Leichtbaumaßnahmen wie der Anfertigung spezieller Steuerrohre aus 3 Teilen, dem spanenden Bearbeiten von Tretlagergehäusen zur Gewichtsersparnis oder Ähnlichem einher.

 

 

Wie leicht können Sie einen Stahlrahmen bauen?

 

Nach wie vor ist 1500g eine Schallmauer die nur schwer zu durchbrechen ist, wenn man einen ausreichend fahrstabilen Rahmen in mittlerer Größe (Rennrad ca.56cm) fertigt. Es geht bei Verwendung besonders dünner Rohre natürlich leichter, aber ich verwende für Rahmen mittlerer Größe aus eben genannten Gründen der Fahrstabilität selten Unterrohre unter 38mm Durchmesser und Oberrohre unter 31,7mm Durchmesser.

 

 

Fertigen sie auch Gabeln?

 

Ja! Auch diese sind in Ihren Abmessungen wie Einbaulänge, Vorbiegung oder Reifenfreiheit "custom-made". Auch die Anlötteile sind variabel und Cantisockel sind ebenso wie eine Scheibenbremsaufnahme machbar.

Da ich derzeit noch keine Möglichkeit habe Gabeln zu biegen, ist die Auswahl vorerst auf "straight forks" beschränkt.

 

 

Wie unterscheiden sich Schweissen und Auftragslöten?

Schweissen findet bei höheren Temperaturen statt. Der Grundwerkstoff (Rohr) wird hier selbst aufgeschmolzen und meist unter Zuführung von artgleichem oder artähnlichem metallischem Zusatz verbunden. Beim Bau hochwertiger Fahrradrahmen wird in der Regel das WIG-Schweissverfahren verwendet. Bei diesem Lichtbogen-Schweissverfahren wird mittels Hochfrequenzzündung ein 4000-10000 K heißer Lichtbogen zwischen Werkstück und nichtabschmelzender Wolframelektrode gezündet. Das dadurch erzeugte Schmelzbad wird von hochreinem Argon zum Schutz vor Luftzutritt geschützt. Der Schweisser führt den Zusatz von Hand zu.

Es entstehen die charakteristischen geschuppten Nähte.
Beim Löten werden die Grundwerkstoffe unter zu Hilfenahme eines dritten niedriger schmelzenden Metalles (des Lotes) verbunden. Der Grundwerkstoff selbst wird nicht aufgeschmolzen. Man könnte Löten vereinfacht als Kleben mit Metall bezeichnen. Als Energiequelle wird im Fahrradbau zumeist die Azetylen-Sauerstoff-Flamme genutzt.

Beim im Fahrradrahmenbau verwendeten Auftragslöten oder filletbrazing wird zunächst der eigentliche Lötspalt zwischen den Rohren mit Lot gefüllt und möglichst viel Lot an die Innenseite der Verbindung gebracht. Direkt danach wird in einem zweiten Durchgang mit dem teigig-flüssigen Lot ein Radius zwischen den Rohren modelliert, sodass das dem Grundmaterial an Festigkeit unterlegene Lot an der Verbindung einen vergrößerten Querschnitt aufweisst und eine großflächige Verbindung zu den Rohroberflächen eingeht. Darüber hinaus sorgt der fließende Rohrübergang für einen möglichst ungestörten Kraftfluss in der Verbindung.

Im Gegensatz zur Schweissverbindung, die keinerlei Nacharbeit bedarf, muss die Lötverbindung von Flussmittel gereinigt werden. Außerdem werden normalerweise noch bestehende Unregelmäßigkeiten in mühevoller Handarbeit mit Feile und Schleifleinen geglättet, wodurch sich etwas höhere Rahmenpreise als bei geschweissten Rahmen ergeben.

 


Ist Schweissen oder Auftragslöten stabiler?


Weder noch. Bei guter Verarbeitung sind beide Verbindungsarten überaus stabil. Die Qualität der Verarbeitung ist allerdings einer Schweissverbindung eher anzusehen, da Auftragslötungen in der Regel nachgearbeitet werden um die typischen fließenden Übergänge zu erzeugen. Im ureigenen Interesse einer möglichst geringen Nacharbeit ist mir allerdings daran gelegen, sauber, schnell und gleichmäßig zu löten, sprich hochwertige Verbindungen zu erzeugen.
Das Argument der geringeren Temperatur beim Löten, die den Grundwerkstoff schont ist zwar grundsätzlich richtig, kann allerdings z.T. relativiert werden.  Der geringeren absoluten Temperatur steht eine größere Wärmeeinflusszone und eine längere Einwirkzeit gegenüber. Die Praxis zeigt, dass beispielsweise großvolumige Excenter-Tretlagergehäuse nach dem Löten größere thermisch bedingte Verformungen aufweisen können, als dies nach dem Schweissen der Fall ist.
Darüber hinaus sind die meisten im Fahrradbau verwendeten Stähle aufgrund spezieller Legierungsbestandteile insbesondere für das Fügen mittels Schweißverfahren ausgelegt. Nicht zuletzt zeigt die geringe Fehlerrate bei geschweissten Stahlrahmen, dass die Rohre die hohen Temperaturen „gut verdauen“.

 


Warum sind auftragsgelötete Rahmen teurer?


Vor dem Löten wird der Lötbereich mit einem Flussmittel eingestrichen, welches Verschmutzungen beseitigt, die Lötstelle vor Oxidation schützt und das Fließverhalten des flüssigen Lotes verbessert. Dieses muss nach dem Löten im Wasserbad entfernt werden. Darüber hinaus kann die manuelle Nacharbeit der Nähte an einem Rahmen mit Feilen und Schleifleinen einige Stunden in Anspruch nehmen. Dies wirkt sich dann natürlich auf den Endpreis aus.



Bauen Sie gemuffte Rahmen?


Derzeit nicht. Abgesehen von ästhetischen Gesichtspunkten spricht nicht mehr viel für einen gemufften Rahmen. Die geringe Auswahl an Muffen schränkt die Freiheit bei Rohrwahl und Geometrie massiv ein. Gute Muffen kosten ebensoviel wie ein Rohrsatz, ihre Verwendung erhöht daher den Rahmenpreis. Gemuffte Rahmen sind in der Regel schwerer als vergleichbare ungemuffte und schließlich erlauben die heutigen in hohem Maße endverstärkten Rohre sehr stabile Verbindungen ohne Verstärkung durch Muffen.
(nichts desto trotz kann auch ich mich für handwerklich schön gemachte Muffenrahmen begeistern und möchte nicht ausschließen mich in Zukunft auch dieser Verarbeitungsmethode zu widmen).  



Was für Lote verwenden Sie?

Für sämtliche Anlötteile, ausgenommen Scheibenbremsaufnahmen und Cantisockel, verwende ich cadmiumfreies Silberlot mit hohem Silberanteil und geringer Verarbeitungstemperatur. Rohrverbindungen löte ich mit Messinglot weil der Einsatz von Silberlot in diesem Bereich heikel sein kann. Das Silberlot hat eine relativ geringe Festigkeit und neigt beim Abkühlen zu Schrumpfungsrissen, die im schlimmsten Fall zum Versagen der Verbindung  führen können. Nur sehr wenige Rahmenbauer weltweit verwenden daher herkömmliche Silberlote für Auftragslötungen, die meisten setzen aus Sicherheitsgründen auf Messinglote.

Die Verarbeitung der neuen Edelstahlrohrsätze setzt die Verwendung von Silberloten zur Vermeidung von Grenzflächenkorrosion voraus, daher gibt es hier abgesehen vom Schweissen kaum eine Alternative zu Silberlot.



Was halten Sie von den neuen Edelstahlrohrsätzen wie Reynolds 953 und Columbus XCR?

Aufgrund mangelnder Erfahrung kann ich noch nicht so viel dazu sagen. Nur soviel. Ich arbeite daran.
Die Euphorie einiger durch diese Rohrsätze plötzlich mit Carbon in Sachen Rahmengewicht konkurrieren zu können teile ich jedoch nicht. 1500g in mittlerer Rahmengröße und bei guter Steifigkeit wird auch mit diesen Stählen ein sehr gutes Gewicht sein.



Können Sie auch einen Rahmen mit integriertem Steuersatz für mich bauen?

Könnte ich, würde ich aber nur sehr ungern tun.
Ich möchte auch begründen warum.

Die Erfahrung der letzten Jahre zeigt, dass integrierte Steuersätze im Betrieb überdurchschnittlich viel Ärger verursachen. Im Fall eines solchen Ärgers (wiederholt Spiel, schlechte Dichtungen oder Schwergängigkeit) lässt sich das Ganze nicht "mal eben" gegen ein anderes System/Steuersatz tauschen. Man ist auf Gedeih und Verderb festgelegt. Dies ist ein gewichtiger Nachteil vieler integrativer Lösungen und sollte auf jeden Fall bedacht werden.
Selbst  aus ästhetischer Sicht spricht oft nicht sehr viel für integrierte Steuersätze (erst recht nicht am MTB).



Reparieren Sie auch Rahmen von anderen Herstellern?

Ja. Solange sie aus Stahl sind. Es ist für mich als Rahmenbauer besonders interessant zu sehen, an welchen Stellen die Rahmen versagt haben und warum es zu dem Schaden gekommen ist. So kann ich nebenbei aus den Fehlern anderer lernen. Da beispielsweise, neben dem Bruch des rechten Ausfallendes am Übergang zur Kettenstrebe, einer der häufigsten Schäden an der Fügestelle zwischen Sitzrohr und seitlich angelegten Sitzstreben auftritt, werde ich an dieser Stelle bei meinen Rahmen stets für eine direkte und großflächige Verbindung und somit einen ungestörten Kraftfluss sorgen.  
Garantie kann ich auf Reparaturen von Fremdrahmen nicht geben. Meist gehen die Rahmen aufgrund konstruktiver Schwachstellen oder aufgrund von Ermüdung kaputt. Mit einer Reparatur ist die Schwachstelle oft nicht vollständig beseitigt und der Rahmen ist auch nicht jünger geworden. Dennoch hält er zumeist wieder für Jahre.